RBBL1: United ist "keine Fahrstuhlmannschaft mehr" – eine Analyse

Geschrieben von Philipp Schaper
Foto: Lobback
Sieht noch mehr Potenzial: United-Kapitän Eike Gößling spricht über die Hinserie in der RBBL1.
Hannover United spielt aktuell die beste Saison seiner Vereinshistorie. Nach dem erstmaligen Klassenerhalt und der Pokalfinalteilnahme hat die Mannschaft von Spielertrainer Martin Kluck fünf der neun Spiele in der Hinserie gewonnen. Außerdem kann das Team erneut ins Pokal-Finale Four einziehen. Kapitän Eike Gößling erklärt den Erfolg. Hannover. Fünf Siege aus neun Spielen, Platz fünf nach der Hinrunde, Pokalviertelfinale: Hannover United ist nach der Hinrunde der Spielzeit die Überraschungsmannschaft in der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL1) – mit Kurs auf die Meisterschaftsrunde. Was sind die Gründe für die Superserie? United-Kapitän Eike Gößling erklärt die wichtigsten Punkte vor dem Rückrundenauftakt gegen den RSV Lahn-Dill (Sonnabend, 18 Uhr, United-Arena) und dem DRS-Pokalviertelfinale gegen die Doneck Dolphins Trier (Sonnabend, 15. Dezember, 14 Uhr, Sporthalle Birkenstraße).
Die Ergebnisse
Eigentlich blieb Hanover United in den neun Partien der Hinserie nur einmal gänzlich ohne Chance – gegen den Meister Thuringia Bulls. Selbst gegen den RSV Lahn-Dill zum Saisonauftakt gilt der Klub in drei von vier Vierteln gut mit. Wichtig im Kampf um die Play-off-Ränge: „Wir haben gegen alle direkten Konkurrenten um Platz sechs gewonnen“, sagt Kapitän Eike Gößling. Dazu kamen knappe Ergebnisse gegen den Dritten Hamburg und den Vierten Trier. Die Doneck Dolphins sind auch Gegner im DRS-Pokalviertelfinale – in Hannover. „Mit der Leistung aus den Spielen gegen die Favoriten haben wir eine Chance auf das Final Four“, sagt Gößling.
Die Defense
Die Verteidigung ist ein Herzstück der Mannschaft – allen voran Vanessa Erskine. Die Amerikanerin taucht selten in den Statistiken auf, macht aber einen Riesenjob. Nicht umsonst stellt das Team die drittbeste Defense hinter den Top-Teams Thuringia Bulls und RSV Lahn-Dill. Aufgrund der Breite des Kaders hat Spielertrainer Martin Kluck viele Möglichkeiten, in den Line-Ups zu rotieren. „Wir spielen eine gut abgestimmte Teamdefense, haben immer eine Alternative zum Gameplan. Das macht uns stark“, sagt Kapitän Gößling.
Die Offense
In der vergangenen Saison hätte Hannover United ein großes Problem gehabt, wenn Top-Scorer Joe Bestwick einen schlechten Tag gehabt hätte. Der Brite ist auch aktuell zweitbester Werfer der Liga. Aber United ist nicht nur von ihm abhängig. Das macht es für die Gegner schwerer, zu verteidigen. Im Spiel gegen die Roller Bulls trafen Jan Sadler, Alexander Budde, Jack Gibbs und Bestwick doppelt. Außerdem punkten auch die übrigen Spieler ordentlich – außer Erskine. Die Paralympicssiegerin von 2016 räumt für ihre Mitspieler die Räume frei und bringt sie in gute Positionen. „Wir finden uns mittlerweile in gut in unseren Rollen wieder und schaffen es konstant, freie Würfe zu kreieren und zu nutzen“, sagt Eike Gößling. „Legen wir hier noch ein bisschen zu, sind in der Rückrunde Siege gegen Hamburg oder Trier drin.“
Der Trainer
Spielertrainer Martin Kluck ist der Taktgeber am Spielfeldrand. Er selbst hat sich in der Hinserie wenig Einsatzminuten gegönnt, organisiert die Mannschaft lieber von außen. Hat mit einer klugen Personalpolitik einen breiten Kader mit einer guten Mischung aus international erfahrenen Spielern und jungen United-Spielern zusammengestellt. Das macht sich auch im Training bemerkbar, wenn er fünf-gegen-fünf spielen lassen kann. „Wir bekommen vor jedem Spiel viele Ansätze vom Trainer geliefert, wie wir unsere Aufgaben lösen können“, sagt Kapitän Gößling. „Er lässt uns aber auch die Freiheit, selbst zu entscheiden.“  Jeder Spieler habe das Gefühl, dass der Trainer ihn besser mache, so Gößling.
Die Fans
Die Zuschauerzahlen sind wie die Ergebnisse deutlich konstanter geworden. Im Schnitt schauen 250 Fans die Heimspiele von United – und machen ordentlich Krach auf den Tribünen der United-Arena. „Wir sind keine Fahrstuhlmannschaft mehr“, sagt Gößling, „sondern in der Liga und in Hannover angekommen.“ Das mache es für das Team einfacher, in knappen Spielen den entscheidenden Wurf zu setzen. „Wir bedanken uns aber vor allem auch bei unseren Edelfans, die uns zu unseren nicht gerade nahe gelegenen Auswärtsspielen begleiten und anfeuern. Einfach klasse.“
Der Ausblick
Ziel war und ist Platz sechs und die Teilnahme an den Play-offs. Das ist nach der Hinrunde realistisch. Stimmt die Konstanz, kann Hannover United eventuell sogar Platz vier angreifen und sich damit das Heimrecht im Viertelfinale sichern. Außerdem kann sich United als Vizepokalsieger 2018 vor heimischem Publikum den neuerlichen Einzug ins Final Four sichern.
Fotos: Lobback
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